Heilfasten ≠ Fasten…..

Millionen Menschen fasten regelmäßig. Ein- bis zweimal im Jahr verzichten sie für eine bestimmte Zeit – von einer bis mehrere Wochen –  auf feste Nahrung, nehmen nur Wasser, Tee, Fruchtsaft, Gemüsebrühe zu sich. Selbstkasteiung? Die Schilderungen erfahrener Fasten-Anhänger hören sich anders an: Sie sprechen von glücklicher Zufriedenheit, von unbeschwerter Leichtigkeit und neuer Energie.

Was hingegen beim Fasten in unserem Organsystemen geschieht, ist unter Experten umstritten. Fasten-Anhänger sprechen von innerer Reinigung und Entschlackung, vom Heilfasten als Medizin gegen Zivilisationskrankheiten wie Allergien oder Bluthochdruck. Schulmediziner wenden ein, dass unser Organismus geschwächt wird, wenn er seine eigenen Eiweißvorräte verzehrt, und warnen vor einer Sucht nach der Fasten-Euphorie.

 

 

Bei folgenden Krankheitsbildern sowie Beschwerden kann Heilfasten hilfreich sein:

  • Adipositas
  • Diabetes mellitus II
  • Hyperurikämie
  • Hyperlipidämien
  • chronische Hepatopathien
  • Hypertonie
  • arterielle und venöse Durchblutungsstörungen
  • degenerative Gelenkerkrankungen
  • diverse Hauterkrankungen wie Akne, Psoriasis und Neurodermitis
  • Asthma
  • Pollinosis
  • chronische Obstipation
  • Morbus Crohn
  • Rheuma
  • Arthrose
  • Osteoporose
  • Magen-Darm-Erkrankungen
  • Migräne
  • Allergien
  • Schlafstörungen und depressive Verstimmungen
  • Hinzu kommt noch der oftmals vorhandene psychische Gewinn in Form von Steigerung des Selbstbewusstseins durch die Beherrschung des Körpers.

 

Kontraindikationen

Kurzfristig heilfasten sollten nur gesunde Menschen, vor längeren Fastenkuren ohne ärztliche Überwachung wird gewarnt. Bestimmte Gruppen von Menschen sollen nicht fasten:

  • Schwangere und stillende Frauen
  • Menschen mit Blutungsneigung
  • Kinder
  • Menschen mit Schilddrüsenüberfunktion
  • Menschen mit Durchblutungsstörungen des Gehirns
  • Typ-1-Diabetiker
  • Krebskranke
  • Untergewichtige
  • Menschen mit psychischen Krankheiten sollten ihren Arzt befragen, bevor sie fasten.

 

 

Fasten ist in vielen Kulturen und Religionen seit Tausenden von Jahren gebräuchlich.
Im Vordergrund steht hier die innere Reinigung und Neuorientierung und nicht so sehr die Gewichtsreduktion. Dieses Ziel kann durch Fasten mit Wasser, Tee, Saft oder Ähnlichem erreicht werden. Nach Meinung der Fastenärzte wird der Körper durch die deutlich verminderte Aufnahme von Nahrung, von Schadstoffen, die das Immunsystem belasten, entgiftet und entschlackt.

 

Körperliche Vorgänge

Wenn dem Körper keine Nahrung zugeführt wird, schaltet er nach ein bis zwei Tagen auf den sogenannten Hungerstoffwechsel um, bei dem so wenig Energie wie möglich verbraucht wird. Beim Fasten sinkt der Blutdruck, der Kreislauf und das Herz werden entlastet, der Körper wird entwässert und das Atmen wird evtl. leichter.

Nach mehreren Tagen werden die Eiweiß- und Fettreserven des Körpers allmählich aufgelöst. Bei diesen Stoffwechselvorgängen bilden sich „Ketokörper“ wie Aceton, erkennbar an Mund- und Körpergeruch. Bei längerem Fasten schüttet der Körper auch Endorphine aus, um die „Hungerphase“ erträglicher zu machen. Pro Tag verlieren Fastende im Durchschnitt etwa 400 Gramm Gewicht, am Anfang allerdings vor allem Eiweiß und damit Muskelsubstanz, sofern kein Eiweiß zugeführt wird.

Durch die vermehrte Flüssigkeitsaufnahme während des Heilfastens und das, durch den Nahrungsverzicht entlastete Verdauungssystem, hat der Organismus die Möglichkeit, sich von  Abfallprodukte, die beim Stoffwechsel entstehen, und Giften zu befreien, die sich in den Organen und Körperzellen angesammelt haben. Ein Beispiel für die sogenannten Schlacken, also die oben genannten Abfallprodukte, sind Gifte, die durch die Nahrung in unsere Körper gelangen und sich so im Fettgewebe anlagern. Diese können bei der Entstehung von Krankheiten eine Rolle spielen, weswegen es sinnvoll ist, den Körper durch Heilfasten bei der Selbstreinigung zu unterstützen.

 

Heilfasten nach Plan mit Wasser, Tee und Säften

Bei den strengsten Formen des Heilfastens ernährt sich der Fastende gemäß Plan tatsächlich nur von Wasser oder Kräutertee. Beim Saftfasten  sind neben Wasser und Tee auch Obst- und Gemüsesäfte erlaubt, die den Körper mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen versorgen. Diese werden  für das Aufrechterhalten sämtlicher Körperfunktionen benötigt. 

 

Und so sieht das Heilfasten in der Praxis aus: 

Zu Beginn des Heilfastens muss der Darm, entleert werden, was am besten durch ein natürliches Abführmittel wie in Wasser aufgelöstes Bittersalz, oder aber durch einen Einlauf geschieht. Diese – zugegeben – recht unangenehme Prozedur sollte einige Tage später, wenn der Körper eine Weile keine Nahrung bekommen hat, wiederholt werden, um die jetzt freigesetzten Schlacken aus dem Körper zu spülen.

Die gute Nachricht: Durch den vollständig geleerten Darm verschwindet nach einigen wenigen Tagen auch das Hungergefühl, so dass das Heilfasten erleichtert wird. Die „Mahlzeiten“ beim strengen Heilfasten bestehen ausschließlich aus Wasser, Kräuter- und Früchtetees, Gemüsebrühen sowie Obst- und Gemüsesäften, die mit Wasser vermischt werden.

Heilfasten nach Plan beinhaltet, dass pro Tag mindestens 3 Liter Flüssigkeit aufgenommen werden, und spätestens ab der dritten Woche wäre auch eine sehr gute Nahrungsergänzung mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen nötig, um Mangelerscheinungen zu vermeiden.

 

Hochgefühle

Hochgefühle beim Fasten gibt es inzwischen sogar wissenschaftliche Erklärungen. Der Göttinger Hirnforscher Gerald Hüther hat untersucht, wie Botenstoffe und Hormone auf den Nahrungsentzug reagieren. Dabei fand er heraus, wie wichtig es ist, dass die Entscheidung zum Fasten freiwillig getroffen wird. Nur unter dieser Voraussetzung nämlich, so Hüther, stuft „das Bewertungszentrum in der Hirnrinde die Situation als ’nicht bedrohlich‘ ein“ und verzichtet auf die Produktion von Stresshormonen.

Stattdessen nimmt nach etwa drei Fasten-Tagen die Ausschüttung von Serotonin zu und sorgt für innere Harmonisierung und Zufriedenheit. Der Kopf kommt zur Ruhe, Energie wird frei. Menschen die fasten schlafen oft wenig und fühlen sich trotzdem erholt. Sie empfinden sich als verbundener mit sich selbst, sind gelassener und offener. Nicht nur Geschmack oder Duft werden intensiver wahrgenommen, alle Sinne sind beim Fasten geschärft.

Selbst wer mit Gott und Glauben nichts zu tun hat, ahnt in dieser Zeit der Enthaltsamkeit, warum alle großen Religionen auch Fasten-Programme kennen: Ich brauche bescheiden wenig für diese Ausgeglichenheit und innere Ruhe, so die heilsame Erkenntnis.

Nach dem Fasten ist die Zeit besonders günstig, ausgefahrene Gleise zu verlassen. Denn man fühlt sich stark. Weil man gespürt hat, dass man einige Zeit ganz aus sich leben kann. Mit dieser Kraft sind auch gute Vorsätze für das Leben nach der Fasten-Zeit leichter zu verwirklichen.

Essen und Nichtessen sind, wie Bewegung und Ruhe, zwei Seiten natürlichen Lebens. Heilfasten ist deshalb keine „Diät“, sondern der freiwillige Verzicht auf Nahrung und Genussmittel. Der Körper hat alles gespeichert, was er in den nächsten Tagen ohne Nahrungszufuhr braucht. Und zu erfahren, was der Mensch alles nicht braucht, ist eine gute Sache.

Wir leben aber auch im Rhythmus der Jahreszeiten; der Sommer und Herbst bringen uns Nahrung in Hülle und Fülle, Winter und Frühjahr sind die Zeiten, in denen wir von den Vorräten leben müssen. Auch hier werden von der Natur zwei Seiten mit mehr oder weniger üppiger Nahrungsaufnahme vorgegeben. Es ist durchaus sinnvoll, den Körper in diesen Rhythmen zu unterstützen und ihm durch eine jährliche Fasten-Periode zu helfen, grundlegende, ihm eigene Ordnungen wiederzufinden. Durch tägliche Überforderung auf der einen Seite und durch ständiges Überangebot an Nahrung auf der anderen Seite, ist unser Körper lange Zeit des Jahres damit beschäftigt, aus dem ihm angebotenen Kompromisse zu finden, mit denen er versucht, aus den Gegebenheiten das Bestmögliche für sich zu bewerkstelligen. Dabei geraten Grundfunktionen in den körperlichen Abläufen oftmals gezwungenermaßen aus ihrer ureigensten Ordnung, was bedeutet, dass unser Körper unökonomisch und mit Verschleiß arbeitet.

 

Heilfasten ist aber mehr als Abnehmen:

  • Heilfasten betrifft den ganzen Menschen; jede einzelne seiner Körperzellen, seine Seele und seinen Geist.
  • Heilfasten ist die beste Gelegenheit, in Form zu bleiben oder wieder in Form zu kommen. Außerdem unterstützt es all jene Menschen, die ihre Lebensweise ändern möchten.
  • Heilfasten hat nichts mit Hungern zu tun (wer beim Fasten hungert, macht etwas falsch)!
  • Heilfasten hat nichts zu tun mit Entbehrung und Mangel.

 

 Was können wir durch das Heilfasten gewinnen?

  • Heilfasten ist die schnellste, angenehmste und ungefährlichste Methode, überflüssige Pfunde loszuwerden.
  • Durch Fasten können wir aus dem zu viel unserer konsumbetonten Zeit herausfinden, maßvoll Essen und sinnvoll Genießen lernen.
  • Heilfasten ist eine Hilfe zur Lösung aus der Abhängigkeit von Genussmitteln und lästigen Angewohnheiten.
  • Heilfasten führt zu schöner, reiner Haut und zur Straffung aller Bindegewebe.
  • Heilfasten ist eines der wenigen und erfolgreichen biologischen Entgiftungsmittel in einer mit Schadstoff belasteten Umwelt.
  • Heilfasten bietet einen Beitrag zur Erhaltung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit.
  • Heilfasten kann zwar das biologische Altern nicht verhindern, vermag aber vorzeitige Alterungsvorgänge aufzuhalten.
  • Heilfasten kann unter ärztlicher Aufsicht als Therapie zur Heilung von Unpäßlichkeiten und Krankheiten eingesetzt werden. Als klinisches Heilfasten stellt es die wirkungsvollste und ungefährlichste Behandlungsmöglichkeit bei ernährungsabhängigen Stoffwechselkrankheiten dar.
  • Beim Fasten wird unser Körper sensibler, empfangsbereiter und reaktionsbereiter. Durch die ihm eigenen natürlichen Programme ist er bemüht, alle in ihm ablaufenden Vorgänge auf die natürlichen Ordnungen zurückzuführen. Der Körper sucht das, was er benötigt, und zwar selektiv, d. h. er kann mit verfeinerter Sensibilität sehr wohl unterscheiden, welche Angebote er bevorzugen will und welche er ungenutzt lässt.
  • Fasten bedeutet das Entdecken einer neuen Dimension: leben aus sich selbst, d. h. alles leisten können wie sonst – wandern, schwimmen, radfahren, im Garten arbeiten, kristallklar denken, und vieles mehr…

Fotos: © fotolia

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